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Neue GOÄ-Regeln vor Gericht: Warum Praxen Streitfälle früh absichern sollten

Seit 2026 landen Honorarstreitigkeiten automatisch vor Landgerichten - Praxen sollten Verträge, Dokumentation und Kommunikation frühzeitig absichern


Neue gerichtliche Zuständigkeiten erhöhen Kosten bei GOÄ-Konflikten, weshalb strukturierte Verträge, saubere Dokumentation und aktives Forderungsmanagement entscheidend werden.

Seit Anfang 2026 gilt bei Streitigkeiten über GOÄ-Honorare eine neue Zuständigkeitsregelung: Unabhängig von der Höhe des Streitwerts werden entsprechende Verfahren nun ausschließlich vor Landgerichten verhandelt. Das hat spürbare Auswirkungen auf Aufwand und Kosten für Arztpraxen und erhöht den Druck, Konflikte frühzeitig zu vermeiden.


Neue Rechtslage und Folgen für Praxen

  • GOÄ-Honorarklagen werden seit 2026 grundsätzlich vor Landgerichten geführt

  • Zuständigkeit gilt unabhängig vom Streitwert

  • Verfahren werden dadurch teurer, da vor Landgerichten Anwaltszwang besteht

  • Gleichzeitig verfügen Landgerichte häufig über höhere medizinrechtliche Expertise

  • Ziel sollte sein, Streitigkeiten gar nicht erst bis zur Klage eskalieren zu lassen


Rechtssichere Verträge als wichtigste Grundlage

  • Bei Privatleistungen und IGeL ist ein klar formulierter Behandlungsvertrag notwendig

  • Viele Praxen verlassen sich fälschlicherweise auf Einverständniserklärungen zur privatärztlichen Verrechnungsstelle (PVS) - diese reichen rechtlich nicht aus

  • Vertrag sollte u. a. festlegen:

    • Fälligkeit der Rechnung, z. B. 14 Tage nach Rechnungsstellung

    • Zahlungspflicht unabhängig von Beihilfe- oder Versicherungsleistungen

  • Empfehlung:

    • Vertrag direkt zu Beginn der Behandlung unterschreiben lassen

    • Jährliche Aktualisierung mit erneuter Unterschrift, z. B. zu Jahresbeginn

    • Digitale Signatur per iPad erleichtert Ablage im Praxissystem und spart Papier


Dokumentation als Schlüssel zur rechtssicheren Abrechnung

  • Grundsatz: Nur abrechnen, was vollständig dokumentiert ist

  • Nicht dokumentierte Leistungen gelten rechtlich als nicht erbracht

  • Gute Dokumentation unterstützt zusätzlich:

    • interne Transparenz bei wechselnden oder teilzeitbeschäftigten Mitarbeitern

    • Nachvollziehbarkeit von Diagnostik und Therapie

  • Technische Unterstützung möglich durch:

    • Diktiersoftware

    • KI-gestützte Dokumentationslösungen


Umgang mit offenen Rechnungen

  • Bei ausbleibender Zahlung zunächst:

    • schriftliche Mahnung versenden

    • persönlichen Kontakt per Telefon suchen

  • Ziel: Gründe für Nichtzahlung klären und außergerichtliche Lösung finden

  • Inkassobüro erst als nächster Schritt einsetzen

  • Erfahrung aus der Praxisberatung:

    • Viele Patienten begleichen Rechnungen bereits nach erster Mahnung

    • Kommunikation erhöht Chancen auf Einigung ohne Gerichtsverfahren


Bedeutung für den Praxisalltag

  • Prävention gewinnt an Bedeutung - nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich

  • Strukturierte Prozesse können GOÄ-Streitfälle deutlich reduzieren

  • Vertragsmanagement, Dokumentation und Forderungsmanagement werden zu zentralen Steuerungsinstrumenten für wirtschaftliche Stabilität und rechtliche Sicherheit in der Praxis.